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Buchrezension: Frank Schirrmacher, Payback

Tags dieses Artikels:
Burnout, Entschleunigung, Lesen, Selbsterfahrung, Zeit

Frank Schirrmacher
Payback
Karl Blessing Verlag
ISBN 978-3-89667-336-7

Burnout und Überarbeitung sind oft genug eine Sinnfrage. Aber immer öfter auch eine Zeitfrage. Zwei der gähnenden Abgründe, in die unsere Zeit heute entschwindet, sind e-Mail-Verkehr und Internet.
In seinem neuesten Buch beschreibt Schirrmacher, seit 1994 Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, mit welchen Mechanismen das Informationszeitalter nach unserer Zeit greift und wie die Informationsflut zu ständiger Überlastung führt.
Natürlich ist das Buch spannend, aber journalistisch geschrieben, an einigen Stellen polemisch und hier und da inhaltlich nicht haltbar – die These beispielsweise, jeder könne in Zukunft alles, was er für seine Arbeit braucht, bei Bedarf im Internet nachlesen und könne sich so den zeitraubenden Erwerb von Fachwissen sparen, wird auch Schirrmacher nicht unbedingt seinem Internisten ans Herz legen wollen.
Aber er öffnet dem Leser die Augen für die Mechanismen, die zu unserer vermeintlichen Abhängigkeit von den neuen Medien führen. In der Schule dazu erzogen, dem Lehrer unbedingte Aufmerksamkeit zu zollen, fällt es dem Unterbewusstsein schwer, das Ping der neu eingetroffenen E-Mail nicht als sofort zu erfüllenden Arbeitsauftrag anzusehen, da sonst „Setzen. Sechs!“ droht. Schirrmacher vergleicht uns dabei mit einem Löwen, der, vom eigenen Instinkt getrieben, statt Großwild permanent Mäuse jagt und dabei am Ende verhungert.
Interessanterweise wirkt allein das Lesen des Buches wie eine Art Impfung. Bei Ping denkt das geistige Immunsystem hinfort „Mäuse. Nichts als Mäuse…“ und vergisst es wieder.